Ok, wir Deutschen sind einfach zu dämlich. Wir wollen es nicht kapieren und deshalb bezahlen wir dafür. In den USA hat sich schon seit Jahren eine Internetkultur entwickelt, die in Deutschland einfach nicht funktionieren will. Hierzulande herrscht noch immer die Meinung, was nichts kostet, taugt auch nichts. Und je teurer etwas ist, desto besser muss es sein. Oder kann mir jemand erklären, warum in Amerika schon seit Jahren Artikelverzeichnisse laufen, dass einem schwindlig wird und hier im Good old Germany dümpeln die Verzeichnisse so vor sich hin und müssen über Page-Rank-Abwertung und Ranking-Verlust berichten. Hierzulande gibt es Artikelverzeichnisse mit ein paar Tausend Artikeln, in den USA sind es ein paar Hunderttausend. Der Blog von ezinearticles.com berichtet jeden Monat über Zugriffsstatistiken im Millionenbereich. Kann mir mal jemand erklären, was hier schiefläuft?


Natürlich habe ich dazu eine Theorie: Es liegt an unserer Mentalität.

  1. Wir Deutschen wollen nicht umsonst arbeiten.
  2. Wir Deutschen wollen nichts geschenkt.
  3. Wir Deutschen vermuten hinter allen Geschenken böse Absicht.

Es ist eine allseits bekannte Tatsache, dass wir nicht umsonst arbeiten wollen. Ich denke mal, das wollen ungefähr 100 % aller Menschen dieser Welt nicht. Es soll diverse Ausnahmen geben, aber die wollen wir hier mal vernachlässigen. Auch die Amerikaner wollen nicht umsonst arbeiten. Die schreiben keine Artikel und verschenken sie einfach. Nein, sie beabsichtigen damit etwas. Was das wohl sein mag? Für alle die es noch nicht wissen: Sie wollen Ihre Bekanntheit und Reputation steigern und wollen nicht zuletzt Besucher auf Ihre Website locken.

Und siehe da, das wollen wir schließlich alle. Allerdings haben die Amis erkannt, dass mehr Besucher nicht gleichbedeutend mit Backlink ist. Besucher bekomme ich auf meine Website nur dann, wenn ich meinen Besuchern auch einen triftigen Grund liefere, die Seite zu besuchen. Und was ist ein triftiger Grund? Richtig! Inhalte, die man lesen, hören oder sehen will. Ein Beispiel:

Ich betreibe ein Farradgeschäft und habe einen kleinen Onlineshop, in dem ich Fahrradersatzteile und Zubehör anbiete. Nun möchte ich die Bekanntheit meines Geschäfts und meines Onlineshops über Marketingaktionen im Internet steigern. Also richte ich eine Website ein, mit Tipps und Tricks rund um das Fahrrad. Beispielsweise Pflegetipps für den Winter oder Hinweisen, wie ich verhindern kann, dass das Fahrrad langsam aber sicher rostet, wenn es ständig im Regen steht. Kurz, richtige Ratgeberartikel.

Natürlich werden diese Ratgeberartikel entsprechend sinnvoll mit dem Onlineshop verlinkt. Allerdings sollte man es auch nicht übertreiben, denn wenn man vor lauter Werbung den eigentlichen Artikel nicht mehr sieht, dann war die ganze Mühe umsonst. Jetzt beginnt das Artikel Marketing. Wir schreiben kurze Artikel mit rund 500 Worten Länge, die prinzipiell eine Zusammenfassung der umfangreicheren Artikel sein können und platzieren sie in Artikelverzeichnissen und auf themenrelevanten Weblogs. Auch Foren kommen durchaus in Frage (Achtung: Unbedingt die Forenregeln einhalten, sonst wird man als Spammer verbannt). In diesen Artikeln bauen wir nun einen Link auf unsere Tipps und Tricks Webseite ein, wo der Interessent mehr über das spezielle Thema erfahren kann. Ein dezenter Hinweis auf unseren Onlineshop ist am Ende des Artikels auch noch erlaubt. Mehr Links sind nicht notwendig.

Lassen Sie mich dieses Verfahren anhand eines konkreten Artikelbeispiels einmal näher erläutern. Nehmen wir an, wir haben auf unserer fahrradtippsundtricks.de Website eine Videoanleitung über das Flicken des Fahrradreifens veröffentlicht. Dort verweisen wir auf unseren Onlineshop, wo wir Flickzeug und passendes Werkzeug anbieten. Nun schreiben wir einen Artikel: Fahrradreifen flicken in fünf Schritten. Diesen Artikel veröffentlichen wir in einem Artikelverzeichnis. Wenn wir diesen Artikel in verschiedenen Variationen schreiben, dann können wir ihn in unterschiedlichen Verzeichnissen veröffentlichen. Wichtig ist dabei, dass die Artikel sich soweit unterscheiden, dass sie nicht als Duplicated Content von den Suchmaschinen erkannt werden. Profis lassen einfach ein und denselben Artikel von mehreren Ghostwritern schreiben. Wer jetzt nicht weiß, woher er ein paar Ghostwriter bekommen soll, der schaut einfach mal bei texbroker.de vorbei.

Nehmen wir weiter an, dass jeder Artikel auf einem Artikelverzeichnis etwa 100 Besucher pro Monat bringt und wir 10 Artikel eingestellt haben, so bekommen wir pro Monat rund 1.000 Besucher mehr in unseren Onlineshop. Das klingt nicht nach sonderlich viel. Doch wenn wir die Rechnung weiterführen, dann stellen Sie sich einfach mal vor, Sie veröffentlichen 100 Artikel nach obigen Muster und bekommen dann rund 100.000 Besucher mehr pro Monat. Nehmen wir weiter an, dass jeder Artikel rund 20 Euro Entstehungskosten hat, dann haben wir insgesamt 20.000 Euro für diese Artikelkampagne ausgegeben. Gehen wir von einer Conversionrate von 1% aus, so gewinnen wir auf diese Weise 1.000 Kunden zusätzlich pro Monat.

Dies ist natürlich eine vereinfachte Rechnung. Sie zeigt jedoch, wie man solche Kampagnen bewerten kann. Ich habe hier bewußt auf Suchmaschinenranking und Backlinks verzichtet. Darum geht es bei Artikel Marketing nicht, auch wenn es ein durchaus positiver Nebeneffekt sein kann. Probieren Sie das Marketing über Artikel einfach einmal aus und beobachten Sie, was passiert und woher Ihre Besucher und Käufer kommen. Ich habe vor Kurzem eine Analyse gelesen, dass ein Onlinekäufer rund 11mal eine Website oder Onlineshop besucht, bevor er bestellt. Es wäre also gut, wenn man ihn mit interessanten Inhalten füttert.

Menschen kaufen bei Menschen, die sie kennen und mögen. Denken Sie daran, dass Sie Ihre Kunden im Onlineshop nicht so gut beraten können, wie in einem persönlichen Gespräch. Also müssen Sie auf andere Weise ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Probieren Sie es doch einfach mal mit Ratgeberartikel oder Podcasts oder Videos oder was auch immer Ihnen einfällt. Onlinemarketing besteht aus viel mehr als nur aus Suchmaschinenoptimierung und Adwords-Kampagnen.

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Kommentare

4 Reaktionen zu “So klappt es auch bei Ihrem Onlineshop mit Artikel Marketing”
  1. Frank

    Soweit so gut & richtig, aber … ;-)

    Die Tatsache, daß die Artikelverzeichnisse in den USA vor Artikeln überquellen & sich in Deutschland vergleichsweise langsam entwickeln, liegt meines Erachtens nicht (nur) an der deutlich größeren Menge der Webmaster im englischen Sprachraum oder daran, daß die Deutschen zu dämlich seien, sondern eher an der Art, wie Artikelverzeichnis Einträge in den USA gehandhabt werden.

    Schau Dir mal die erfolgreichen Eintragsdienste für Artikelverzeichnisse in den USA genauer an - die meisten verkaufen das Erstellen eines einzigen Artikels (als “Luxus-Ausgabe” in 5 Variationen) mit dem Eintrag dieses einen Artikels in 100 & mehr Artikelverzeichnisse für nen Appel & ein Ei.
    Bedeutet die stellen endlosen Duplicate Content online & nehmen dabei in Kauf, daß nur ein kleiner Teil der Artikel den in Suchmaschinen erwünschten Effekt haben wird - sowohl hinsichtlich Traffic, als auch hinsichtlich Backlinks!

    Wenn man es genau betrachtet könnte man auch sagen, die spammen damit auf Kosten der AV-Betreiber & natürlich auch auf Kosten von Suchmaschinen (da dort ja nicht nur Google relevant ist) & deren Nutzer munter drauf los ;-)

    Ich glaube/hoffe die Vorgehensweise “Qualität statt Quantität” sollte sich mittelfristig als die deutlich bessere Herangehensweise herausstellen, auch wenn deutsche Artikelverzeichnisse dadurch langsamer wachsen …

    Ich verkaufe Kunden z.B. nur einzelne individuell erstellte Texte (auch nicht umgeschriebene oder so´n Blödsinn, dafür gibt´s ja zum Glück fähige Texter-innen) für Artikelverzeichnis Einträge - aber dann sind´s halt pro Kunde mal nur 20-30 & nicht gleich 100 & mehr pro Eintrag …

    Bin übrigens zum ersten Mal hier auf Deinem Blog gelandet (durch Deinen Trackback ;-)) & hab ihn mir aus beruflicher Neugier gleich mal in den Feedreader genommen.
    Kleiner Verbesserungsvorschlag am Rande: In meinem fortgeschrittenen Alter kommt mir die Schrift innerhalb des Kommentarfeldes viel zu klein vor? 1-2 Schriftgrößen größer würde das Schreiben einfacher gestalten, bzw. ich könnte, ohne dabei die Nase am Lappi-Monitor plattzudrücken, lesen was ich gerade schreibe ;-)

  2. Andreas Obermüller

    So wie viele anderen Strategien hat sich auch die Art, wie man Artikel Marketing betreiben muss, in den letzten Jahren geändert. Bis Ende 2006 war es noch völlig o.k. einen einzelnen Artikel auf 100 Artikel Verzeichnisse zu verteilen. Aber mit Jahresbeginn 2007 und dem neuen Patent von Google, danke dem es für sie ein Leichtes ist, “duplicate content” zu erkennen, macht das keinen Sinn mehr.

    Deshalb denke ich, dass die deutschsprachigen Artikel Verzeichnisse hier von Haus aus auf einem geschickteren Weg waren. Allerdings haben nicht alle Artikel Verzeichnis Betreiber verstanden, wie Artikel Marketing für die Autoren funktioniert. Manche sind hier einfach zu rigoros und wollen dem Autor auch gleich sämtliche Rechte seines Artikes “abknüpfen”. Für mich als Autor ist so ein Artikel Verzeichnist dadurch natürlich völlig uninteressant.

    Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass nur wenige deutschsprachigen Artikel Verzeichnisse dem Autor eine Möglichkeit bieten, seine Links zu ändern. Wer kennt das nicht? Ein Tippfehler und das wars dann. Oder man bewirbt ein Partner Programm, das dann irgendwann vom Netz geht (soll vorkommen) und möchte den guten Artikel, der vielleicht hunderte an Besuchern bringt, für ein anderes Produkt bei einem anderen Partner Program nutzen.

    Glücklicherweise gibt es einige Arikel Verzeichnisse die das bereits “geschnallt” haben.

    Und Dir möchte ich noch danken für den link auf textbroker - ich wusste gar nicht, dass es im deutschsprachigen Bereich so eine große Seite mit vielen Ghostwritern gibt.

    Weiterhin viel Erfolg und ganz viel Spaß mit Deinem Blog!

  3. tom

    @Frank: Es stimmt, in den USA wird Artikel Marketing “professioneller” betrieben, mit zum Teil fragwürdigem Erfolg. Allerdings wird dort auch von seriösen Marketern das Artikel Marketing weniger aus SEO-sicht angepriesen. Hierzulande sind es fast ausschließlich SEOs, die ein Artikelverzeichnis betreiben und es sind SEOs oder schlimmstenfalls Hobby- oder Möchtegern-SEOs, die Artikel für AVs schreiben.
    Die SEOs gehen ja noch mit einigermaßen Verstand an die Sache heran und müllen einen Artikel nicht sinnlos mit Links voll. Wirklich gute Artikel sind eher selten und dann werden sie meist in ein halbes Dutzend anderer Verzeichnisse gestellt und damit haben wir wieder Duplicated Content. Das ist dann nicht sonderlich schlimm, wenn man in erster Linie auf die Erhöhung der eigenen Bekanntheit setzt. Allerdings müssen die AVs dann auch genügend Traffic aus sich heraus erzeugen.

    @Andreas: Leider sind zu viele SEOs Betreiber der Verzeichnisse. Da geht es in erster Linie um Backlinks und weniger um wirklich gute Autorenbetreuung. Das Umdenken muss bei den Autoren und bei den Betreibern stattfinden. Google wird immer wieder AVs abstrafen, wenn sie glauben, dass es hier nur um Links geht und nicht um Inhalte. Deshalb sollte man Artikel Marketing eher als langfristige Strategie zur Steigerung der Bekanntheit sehen und weniger zur kurzfristigen Backlinkgenerierung.
    Ich denke mal, dass es viel bessere Maßnahmen gibt, sich in den SERPs nach oben zu schießen, als hunderte von Artikeln in Verzeichnisse zu stellen. Das ist ja richtig mit Arbeit verbunden. Und meist bringt es nicht sehr viel, weil nur wenige AVs bei den entsprechenden Keywords gut ranken. Erfolgreiche SEOs sind nicht deshalb so erfolgreich, weil sie gute Artikel schreiben und sie in AVs stellen, sondern weil sie ihr Handwerk verstehen.
    Für mich sind Artikelverzeichnisse ein Pool von Expertenwissen zu unterschiedlichen Themengebieten. Breiter aufgestellt als das Wikipedia, aber leider noch nicht so anerkannt.

    Habe mein Stylesheet gleich mal angepasst. Kommt davon, wenn man an einem Mac gestaltet, da sieht alles irgendwie schöner aus. ;-)

  4. Ron

    Einverstanden. In Deutschland sehe ich das Thema Artikel Marketing als sehr schwierig an. All die Artikelverzeichnisse die hier am Start sind, neigen nicht unbedingt dazu für den Nutzer gemacht worden zu sein. Nun gut das kann man einerseits den Betreibern zuweisen aber andererseits natürlich auch den Autoren und möchtegern SEOs, die ihren Schrott dort abladen um ein paar Backlinks abzustauben.

    Das ganze Zeug ist doch einfach nur Mist! Ein Artikelverzeichnis wäre gut, wenn auch tatsächlich menschliche Leser vorbei kommen würden - genau dann würde es sich auch wiederum rentieren Content für Menschen zu erstellen. Da es dies aber nicht gibt und sich auch (fast) kein Autor wirklich mühe gibt, einen Artikel für den Menschen zu schreiben und nicht für die Suchmaschine zu duplizieren, wird es in Deutschland wohl noch ein wenig dauern.

    Im übrigen könnte es daran liegen, dass in Amerika Artikelverzeichnis-Spam nicht mehr wirklich eine State-of-the-Art Optimierungstechnik ist. Deutsche Artikelverzeichnisse sind meist nichts anderes als Webkataloge mit vervielfältigtem Content darum. Und das ist und bleibt nunmal Müll.