BlogRush Online MarketingWäre es nicht schön, wenn man einen Blog einrichtet, ein kleines Widget einbindet und schon bekommt man massig Besucher auf die Seite? Seit ein paar Monaten gibt es den Service BlogRush, der einem auf magische Weise mehr Besucher auf der Website verspricht. Funktioniert natürlich mal wieder nur für englischsprachige Blogs. Also haben sich ein paar findige Programmierer gefunden, die diesen Service in Deutschland adaptiert haben. Wie schön. Freunde, das ist wirklich ein tolles Geschäftsmodell. Ich sehe etwas Neues, worüber man in den USA spricht und adaptiere es in Deutschland. Dann muss ich nur noch lange genug durchhalten, ein paar Millionen Benutzer finden und kann es an Holtzbrinck verkaufen.

Ok Leute, aufwachen, der Traum ist vorbei. StudiVZ ist schon erfunden und von Holtzbrinck auch schon gekauft. In der Tat gibt es auch schon zumindest zwei Trittbrettfahrer von BlogRush. Sie heißen Blogfever und BlogSpeed und das Geschäftsmodell erschließt sich mir einfach nicht. Da wird also ein “Widget” eingebunden (tolles Web 2.0 Modewort), das die Schlagzeilen von Themenverwandten Blogs auf meinem Blog einblendet. Im Gegenzug wird eine Schlagzeile von mir auf einem anderen Blog eingeblendet. Soweit die Theorie. Ist eigentlich ein interessanter Ansatz und gab es vor rund 10 Jahren auch schon, damals hat man es Bannertausch genannt und hat damals auch nicht funktioniert. Warum also jetzt?

Warum sollte also ein Betreiber wie BlogRush mir einen Service kostenlos zur Verfügung stellen, um mir Besucher von anderen Blogs ohne weiteres eigenes Zutun auf meinen Blog zu liefern? Wo findet die Monetarisierung statt?

Es stellen sich noch mehr Fragen, allerdings will ich darauf jetzt nicht eingehen. Damit auf Dauer solch ein Konzept funktioniert, muss es irgendwie finanziert werden. Serverkapazitäten kosten Geld und ich kenne keinen Menschen auf dieser Welt, der Geld aus dem Fenster wirft, wenn er nicht einen Gegenwert dafür erhält und sei es auch nur einen ideologischen. Also werden über diese Widgets irgendwann Anzeigen geschaltet, die das System refinanzieren.

Das mag ja schön und gut sein, doch sollte man sich einmal folgende Frage stellen: Warum sollte ich dafür sorgen, dass meine Besucher auf eine Schlagzeile klicken, die nicht auf mein Blog verweist, sondern auf meine “Konkurrenz”? Was habe ich davon? Wenn ein Leser meine Kommentare liest und auf einen Pingback klickt, dann habe ich einen direkten Nutzen, denn schließlich hat der andere Blog mich und meinen Artikel direkt unterstützt. Doch bei den BlogRush-Widgets habe ich keinerlei Nutzen. Denn ich muss immer mit vier oder fünf anderen Einträgen auf der anderen Website konkurrieren und gleichzeitig müssen meine Beiträge auf meinem Blog mit fremden Beiträgen konkurrieren.

Auf dem Datenschmutz-Blog war kürzlich zu lesen, dass mittlerweile immer mehr Besucher über das Blogfever-Widget kommen. Das klingt zwar verlockend, doch stellt sich mir nach wie vor die Frage, wie wird das System refinanziert? Wenn das alles an einem Sponsor hängt, dann kann es passieren, dass von heute auf morgen die ganze Geschiche eingestampft wird. Blogscout lässt grüßen.

Gerade die Gründe, die zur Einstellung von Blogscout geführt haben zeigen, welche Problematik sich bei solchen Systemen ergeben: Es werden nur eine handvoll Alphablogs beworben und die Qualität der angezeigten Nachrichten steht und fällt mit der Qualität der sich beteiligenden Blogs. Auf dem Stereophone-Blog konnte man schon vor einiger Zeit in dem Beitrag “Wie man mit BlogRush Geld verdient” lesen, wie sich solch ein System missbrauchen lässt.

Besuchertausch ist Marketing aus Web 1.0 Zeiten und funktioniert nicht wirklich. Es hat damals nicht funktioniert und wird auch heute in neuem Gewand nicht dauerhaft funktionieren. Blogspammer werden diesen Service missbrauchen und die Betreiber zwingen, sich über die Monetarisierung Gedanken zu machen. Und das wird der Tod des Besuchertauschs sein. Eigentlich schade, denn die Idee ist wirklich nicht schlecht, die Umsetzung jedoch ohne Geschäftsmodell nicht zu machen.

Kommentare

2 Reaktionen zu “Online Marketing für Anfänger”
  1. ritchie

    Die Qualität eines solchen Service steht und fällt mit dem Matching-Algorithmus: ich sehe es als thematischen Mehrwert an, wenn ich verwandte Artikel auf anderen Blogs angezeigt bekommen und keineswegs als “Konkurrenz” :-)

    Blogfever ist recht neu und hat in beachtlich kurzer Zeit eine Community aufgegebaut; mit der Monetarisierung hast du vollkommen recht, aber da gibt’s genügend Möglichkeiten…

    Ob das System theoretisch funkt oder nicht, ist mir recht egal - solange ich jeden Tag Besucher bekomme, die sonst nicht auf meine Seite kämen.

  2. tom

    Solange es sich dabei um thematisch verwandte Artikel handelt, gebe ich Dir absolut recht. Dann ist es ein Mehrwert für Leser.
    Allerdings zeigte sich bei solchen Services in der Vergangenheit sehr schnell, dass sich die Artikel als Spam entpuppten, was nicht im Sinne der Erfinder ist. Wenn ein Klick auf eine Headline statt auf einen themenrelevanten Artikel auf eine Pornoseite verlinkt, dann schadet das auch der Reputation Deines Blogs.
    Dies ist auch der Grund, warum ich mir über die Finanzierung Sorgen mache. Denn diesen Spam herauszufiltern, funktioniert noch bei einem überschaubaren Angebot, hat der Service erst einmal richtigen Erfolg, dann steigen die Probleme auch überproportional an. Da spreche ich noch nicht einmal von den technischen Unzulänglichkeiten, wie die schleppende Datenlieferung der Server.
    Wir wissen alle, dass viele Communitys mit Spam zu kämpfen haben, der im günstigen Fall nur lästig ist, im ungünstigen Fall ein System in den Ruin treibt. Es bleibt Blogfever zu wünschen, dass sie von der Community getragen werden und Spam erfolgreich bekämpfen können.
    Jede google-alternative Werbeform hat eine Chance verdient zu bestehen.