Redakteure sind ein eigenwilliges Volk. Sie schreiben gerne und viel, lassen sich aber selten vorschreiben, wie sie ihre Artikel zu schreiben haben. Und Marketing oder gar Suchmaschinen Marketing ist für sie oft genug ein Reizwort. In den Printmedien stehen die Redakteure deshalb häufiger auf Kriegsfuß mit den Layoutern und Grafikern, im Online-Bereich kommen dann noch die Suchmaschinenoptimierer (kurz SEOs) hinzu.

Man muss den Redakteuren zu gute halten, dass sie in aller Regel wissen, für wen sie schreiben. In erster Linie schreiben sie für Menschen. Jedoch hängt das Ergebnis stark vom Medium und der Art des Geschriebenen ab. Zum Beispiel sind Nachrichen anders zu verfassen als Reportagen. Eine Tageszeitung verlangt nach einem anderen Stil als eine Zeitschrift. Der Online-Redakteur muss seine Artikel für das Web anders aufbauen als für ein Printmedium.

Und jetzt kommen auch noch Suchmaschinen daher, für die man anders als für Menschen schreiben soll? Ist Suchmaschinen Marketing für Online-Redakteure eigentlich sinnvoll? Sollten sie nicht für Leser schreiben, wie es Krusenstern in seinem Blog kürzlich in dem wirklich lesenswerten Artikel “10 Tipps für besser Weblog-Texte: Readability Optimization” formuliert hatte. Seine These: statt die Texte auf bestimmte Keywords für Suchmaschinen zu optimieren, sollte man sie besser für die Lesbarkeit für Menschen optimieren. Klingt irgendwie logisch. Worauf muss der Redakteur achten, wenn er seine Artikel für Suchmaschinen optimieren möchte? Hier folgt die Antwort.

Schlüsselbegriffe

Redakteure haben gewisse Probleme mit der Wiederholung von Schlüsselbegriffen. Es zeugt nicht gerade von einem ausgefeilten Schreibstil, wenn man ständig bestimmte Begriffe wiederholt. Also bedienen sich professionelle Autoren gerne Synonymen. Wessen Wortschatz nicht ausreicht, der nimmt den Thesaurus zu Hilfe. Dummerweise kann eine Suchmaschine mit Synonymen derzeit noch nicht viel anfangen, obwohl bereits semantische Analysetools zum Einsatz kommen. Damit die Suchmaschine einen Text auch wirklich in den Suchergebnissen zu einem bestimmten Begriff auch wirklich auflistet, muss dieser Begriff auch im Text enthalten sein. Eigentlich ganz logisch. Doch das allein reicht jedoch noch nicht aus. Die Schlüsselbegriffe müssen auch in einer besimmten Konzentration im Text auftreten. Man spricht hier von der Keyword Density (die Keyword-Dichte). Es gibt hier keine gesicherten Erkenntnisse, jedoch wird die Meinung von einigen SEOs vertreten, dass der Hauptschlüsselbegriff eine Dichte von etwa 5 bis 7 Prozent aufweisen sollte.

HTML-Tags

HTML ist nicht unbedingt die Stärke eines Redakteurs. Ein paar Dinge sollte man allerdings berücksichtigen, zumal sie den Lesefluss nicht stören. Suchmaschinen gewichten solche Tags bei der Analyse einer Seite. Positiv wirkt es sich aus, wenn der wichtigste Suchbegriff im Seitentitel (also im Title-Tag der Webseite) auftaucht. Ebenfalls eine positive Wirkung haben Schlüsselwörter, wenn sie in irgend einer Form im Text hervorgehoben werden. Allerdings hat dabei der H1-Tag deutlich an Zugkraft verloren. Inzwischen sollen nur noch H2- und H3-Tags funktionieren. Eine positive Wirkung wird auch dem i- und dem b- beziehungsweise strong-Tag beschieden. Von Textunterstreichungen sollten Sie unbedingt absehen, denn die Unterstreichung dient gemeinhin als Markierung eines Links. Wenn im Fließtext also unterstrichene Begriffe auftauchen, dann verwirrt es den Leser, wenn man sie nicht anklicken kann.

Ganz wichtig sind die alt-Tags bei Bildern, die eine Beschreibung des Bildes enthalten sollten. Man kann hier durchaus das ein oder andere Schlüsselwort verwenden, wenn es passt. Suchmaschinen sollen dafür empfänglich sein. Wichtig sind sie jedoch deshalb, weil es viele Besucher gibt, die die Darstellung von Bildern in ihrem Browser ausgeschaltet haben. Es erscheint dann nur der alt-Text. Ebenfalls wichtig sind die title-Tags der gesetzten Links. Hier haben Sie noch einmal die Gelegenheit, die dahinter liegende Website zu beschreiben. Auch hier kann man durchaus Keywords verwenden, wenn es sich anbietet. Dieser title-Tag dient dem Leser als weitere Orientierung, weil er angezeigt wird, wenn man mit dem Mauszeiger über den Link fährt.

Vorspann und Zusammenfassung

Der Vorspann oder die Zusammenfassung des Artikels ist gewissermaßen der Werbetext. Bei Zeitungen und Zeitschriften dient der Vorspann als Einleitung. Im Web kann man ihn sehr gut als Zusammenfassung nutzen, damit man den Leser neugierig auf den Artikel macht. Vermeiden Sie jedoch, sich zu wiederholen. Am Bildschirm zu lesen ist nicht so entspannend, wie beispielsweise ein Buch oder eine Zeitschrift zu lesen. Sobald es langweilig wird, neigen die Leser dazu, einfach auf einen Link zu klicken und sind von der Seite verschwunden. Während man bei einer Zeitschrift nochmal zurückblättern kann, passiert dies bei einer Webseite nicht, ist also der Text langweilig, dann wird der Leser nach einem Klick nie mehr auf die Seite zurück kommen. Fesseln Sie den Leser, ziehen Sie ihn in den Bann und lassen Sie ihn nicht mehr los.

Keyword Recherche Tools

Wer einen Artikel schreibt, der beginnt normalerweise mit der Recherche. Sobald das Thema feststeht, sollten Sie einmal mit diversen Keyword Recherche Tools einmal herausfinden, nach welchen Begriffen häufig gesucht wird und welche Artikel bereits im Internet existieren. Es macht keinen Sinn, über ein und dasselbe Thema immer wieder die gleichen Artikel zu schreiben. Leser möchten “unique content”. Also bieten Sie ihnen einzigartige Artikel und Sie werden jede Menge Leser bekommen. Die Keyword Recherche Tools helfen Ihnen auch, die passenden Schlüsselbegriffe zu selektieren, die Sie anschließend im Artikel entsprechend platzieren können.

Links

Links sind das A und O im Internet. Doch mir fällt immer wieder eine Unsitte auf, die noch aus den Urzeiten des Publizierens stammen könnte. Es sind die Links am Ende des Artikels. Kürzlich las ich einen Blog-Artikel (einen längeren noch dazu), der mit Fußnoten gespickt war und am Ende des Artikels dann die Links zu den Fußnoten enthielt. Das rührt noch aus Zeiten der wissenschaftlichen Beiträge und hat im Web nichts mehr zu suchen. Denn wenn ich permanent hoch- und runterscrollen muss, vergeht mir das Lesen. Viele Magazin-Sites, häufig von Zeitschriftenverlagen, listen am Ende des Artikels die Links zum Beitrag auf. Wie schön, wenn der Artikel auch noch aus mehreren Seiten besteht, dann darf ich nochmal auf Seite 2 blättern, um nachzulesen, welchen weiterführenden Link ich noch verfolgen wollte. Das ist umständlich und Leserfeindlich.

Links gehören in den Text, damit ich als Leser draufklicken kann, falls mich das Thema interessiert. In diesem Zuge macht es auch Sinn das Attribut target=”_blank” zu setzen, damit beim draufklicken nicht der Artikel verschwindet, sondern ein neues Browserfenster geöffnet wird.

Natürlich ist es für Suchmaschinen und Leser komfortabel, wenn Links mit einem passenden Keyword versehen sind. Wie oft stolpere ich täglich über Links, die nichtssagende Bezeichnungen haben. Zum Beispiel: Weitere Infos gibt es “hier”, anstatt zu schreiben: Weitere Infos gibt es auf der Seite www.xyz.org. Noch besser verlinken Sie die wichtigsten Schlüsselbegriffe mit den passenden Websites.
Besonders wichtig ist auch eine interne Verlinkung. Der Leser hat so die Möglichkeit, sich auf der Seite weiter über das Thema zu informieren, die Suchmaschinen können so die gesamte Website besser indizieren und ordnen den neuen Artikel in den richtigen thematischen Kontext ein. Das kann sich positiv auf das Suchergebnis auswirken.

Alte Artikel neu überarbeiten

Ein großer Vorteil des Internet ist die Möglichkeit, einen einmal geschriebenen Artikel immer wieder zu überarbeiten. Es geht hier nicht darum, den Beitrag ständig umzuformulieren, sondern ihn für die Suchmaschinen zu optimieren. Sie können beispielsweise einmal überprüfen, wo der Artikel bei Google zu verschiedenen Suchbegriffen gelistet ist und dann die Seite etwas optimieren, um eine bessere Platzierung zu erreichen. Oftmals bedarf es nur kleiner Änderungen.

Suchmaschinen Marketing ist eine Wissenschaft und als Redakteur macht es wenig Sinn, sich dieser Wissenschaft zu widmen. Ständig ändern sich die Bedingungen und wer sich nicht ständig mit diesem Thema auseinander setzt, der wird dauerhaft keine Suchmaschinenplatzierung hinbekommen. Wer das Glück hat, mit einem SEO zusammenarbeiten zu können, sollte auf seine Ratschläge hören.

Konzentrieren Sie sich auf die Onpage-Optimierung, die Sie bei jedem einzelnen Artikel durchführen können und überlassen Sie alles andere einem SEO. Wer keinen SEO zur Verfügung hat, der sollte sich auf neben der Onpage-Optimierung darauf konzentrieren, möglichst gute Artikel zu schreiben. Denn guter unique content wird fast schon von selbst gelesen.

Kommentare

3 Reaktionen zu “Suchmaschinen Marketing für Redakteure”
  1. Artikel Marketing - So schreiben Sie gute Artikel und steigern den Traffic auf Ihrer Website » Fachwissen-Katalog.de | artikel marketing, artikel schreiben, Artikel veröffentlichen

    […] Einen Artikel zu schreiben, der für mehr Traffic auf Ihre Website sorgen soll, ist ganz anders aufgebaut, als ein Artikel, der beispielsweise für die Zeitung oder eine Fachzeitschrift geschrieben wird. Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte Keyword-Optimierung. Allein zu diesem Thema könnte man ganze Bücher schreiben und jeder Suchmaschinenoptimierer hat da sein ganz spezielles Rezept. Einen ersten Anhaltspunkt bekommen Sie über die Statistiken Ihrer Website. Benutzen Sie Tools wie beispielsweise Google Analytics, um zu erfahren, wie die Besucher auf Ihre Website finden. Welches sind die Schlüsselbegriffe und Suchphrasen. Überprüfen Sie in den Suchergebnissen, wo Ihre Website bei bestimmten Begriffen gelistet wird. Setzen Sie Keyword-Recherche-Tools ein, um die richtigen Begriffe herauszufinden. Welches ist Ihr wichtigstes Schlüsselwort? Haben Sie die wichtigsten Begriffe herausgefunden, dann müssen diese auch im Artikel entsprechend vorkommen. Das wichtigste Schlüsselwort sollte im Titel des Artikels so weit am Anfang wie möglich stehen. Dieser Begriff sollte im ersten Absatz eventuell im ersten Satz des Artikels noch einmal vorkommen. Sie können diesen Begriff über den kompletten Artikel in unterschiedlichen Variationen verteilen. Achten Sie aber penibel darauf, ein einzelnes Keyword nicht zu häufig zu verwenden. Die Grenze liegt bei etwa 5 bis 7 Prozent aller Wörter. Bedienen Sie sich Tools, die die Keyword-Dichte in einem Text bestimmen können. […]

  2. Redakteure und Suchmaschinenoptimierung - Kein Kann ein Muss! | Just talk about Online Shops

    […] Comments parnwad on Kundenbindung so gehts nicht wirklich!Suchmaschinen Marketing für Redakteure | Artikel Marketing Blog on Wissen was gesucht wird - Keyword Recherche ToolsExpertenArtikel on Artikel Marketing != […]

  3. Wissenwollender

    Treffender Artikel. Ich bin auch Redakteur und kann das nur so unterschreiben…
    Gibt es spezielle Literatur zum Thema SEO für Web-Texte? Ich fange in Kürze mit einer Diplomarbeit zu diesem Thema an und habe bisher an Literatur hauptsächlich klassische SEO-Literatur. Fachbücher für Online-Texten gehen ja eher auf den Aspekt Usability oder Schreibstil ein - ich würde mich gerne auf den SEO-Bereich beschränken.
    Danke!