Web 3.0 - Das Ende der Mitmachkultur
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Es wird kopiert und geklaut, plagiiert und frisiert was das Zeug hält. Wer heute ein Video dreht, in dem im Hintergrund irgend ein aktueller Song läuft, und dieses auf YouTube veröffentlicht, kann schon morgen mit einer saftigen Abmahnung eines Rechteinhabers rechnen. Ja, richtig, da war doch was. Urheberrecht! Auch im Mitmachzeitalter gibt es noch das Recht am eigenen Bild, am selbstverfassten Wort oder am selbstkomponierten Musikstück. Da ändert auch das Socialnetworking nichts. Was in diesem ganzen Web 2.0 Hype leicht übersehen wird, jeder Mensch hat ein Persönlichkeitsrecht. Was passiert, wenn der stellvertretende Filialleiter der Sparkasse von Höllrigelskreuth beim Saufen auf dem Dorffest nicht nur zu tief ins Glas, sondern auch noch in den Ausschnitt von Frau Bürgermeister blickte? Normalerweise nicht viel, denn es bekommt kaum jemand mit. Wenn man dieses Schauspiel jedoch per Handykamera gleich mal aufzeichnet und anschließend auf YouTube stellt, dann wird die Sache nicht nur für Frau Bürgermeister prickelnder, sondern auch für den stellvertretenden Filialleiter, weil der Sparkassenvorstand kurzerhand selbigen einfach rauswirft.
Da könnte man sich durchaus vor lauter Schadenfreude wegwerfen, doch so richtig dicke kommt es für den Dokumentator mit seinem Handy. Denn der geschasste Sparkassenmann kann sich seinen entgangenen Verdienst vom dreisten Voyeur zurückholen, weil er nicht um Erlaubnis der Veröffentlichung gebeten wurde. Zugegeben, dieser Fall ist noch konstruiert und ich gehe mal davon aus, dass der Sparkassenvorstand sicherlich auch Menschlichkeit und Verständnis an den Tag legen würde. Bisher ist mir auch noch kein solcher Fall bekannt. Allerdings wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ein unerwünscht gefilmter Privatmann oder eine Privatfrau ihr Recht gegen Videoplattformen durchsetzen werden und damit dem Mitmachfernsehen den Gar aus machen. Denn es gilt nach wie vor das uneingeschränkte Persönlichkeitsrecht, das Privatleute genießen. Journalisten kennen diesen Umstand zu genüge, denn in der täglichen Berichterstattung kommen sie ständig in Berührung mit dem Persönlichkeitsrecht.
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, auch wenn Grenzen fließend sind und es durchaus einige Zeit dauert, bis Gerichte durch die Rechtsprechung klarstellen, was erlaubt ist und was nicht. Es ist immer nur solange lustig, solange niemand zu Schaden kommt. Und ob ein Popstar geschädigt wird, nur weil ein paar Musikvideos von ihm auf YouTube unerlaubt verbreitet werden, sei einmal dahingestellt. Wenn jedoch jemand aufgrund kompromittierender Videos seinen Job oder noch schlimmeres verliert, hört der Spass auf. Und wenn sich dann auch noch ein Gericht findet, das einen Privatmann zu ein paar Millionen Schadenersatz verdonnert, ist die Ära Web 3.0 eingeläutet.
Dieser ganze Mitmachhype erreicht langsam aber sicher seine Sättigung. Es ist zwar ganz lustig, sich mal ein paar peinliche Auftritte von irgend welchen Selbstdarstellern anzusehen aber auf Dauer langweilt das schon ziemlich. Warum sollte man sich auch Dinge im Internet reinziehen, derer man sich im Fernsehen schon lange überdrüssig ist? Sonst müssten Pannenshows doch wahre Renner sein.
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